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  4) Das Papier der Codices

Um den geschichtlichen Wert der handgefertigten Papiere aus Mexiko in seiner wahren Größe erfassen zu können, muss man bis auf die großen Zivilisationen des vorkolumbianischen Amerikas - die Mayas und Azteken - zurückgehen.

Mit der Rinde von riesigen Feigenbäumen, die wild in Yucatan wachsen, stellten die Mayas um das 10. Jahrhundert beeindruckendes Papier her. Die Papiermasse wurde mit dem Splintholz hergestellt, d.h. der weißen und weichen Masse, die sich zwischen der dunklen Rinde und dem Holzkern des Baums befindet. Die Technik bestand darin, die Rinde des Feigenbaums auszulegen und sie mit einem Holzhammer breitzuschlagen, bis ein Papier entstand, das Huun genannt wurde. Es diente als Schriftträger atemberaubender Almanache, die meist Allegorien auf Leben und Tod waren.

Die Azteken verbesserten diese Fertigungsweise und entwarfen das Papier Amatl, das auch unter der Bezeichnung Amate bekannt ist. Die Azteken benutzten hierzu Agavenblätter, besser gesagt die Bastfasern dieser großen und fleischigen Pflanze, die im Flusswasser aufgeweicht und von ihrer Rinde gelöst wurden. Die Rinde wurde mit einem Stein breit-, dünn- und glattgeschlagen, bis ein Amate-Bogen entstand.









Amate (von nahuatl amatl, Papier), das die Azteken und die ihnen unterworfenen Zapoteken und Mixteken bis zur Eroberung (1519-1546) in großen Mengen herstellten, musste den europäischen Papieren schon bald weichen. Das Volk der Otomis aus San Pablito, im Staat Puebla, im Zentrum Mexikos, hat jedoch bis heute die Herstellung dieses Papiers, wie es ihre Ahnen taten, nicht eingestellt. Die Bastfasern mehrerer Varietäten von Feigenbäumen (der Familie der Maulbeergewächse) werden mehrere Stunden lang in einer Holzaschelösung weichgekocht, bevor sie gitterförmig auf einem Holzbrett ausgelegt und mit einem Steinklopfer geschlagen werden. Sobald die Fasern sich ineinander verankert haben und eine homogene Schicht bilden, werden die Holzbretter zum Trocknen in die Sonne gelegt. Sobald das Papier trocken ist, wird es für die Beschriftung hergerichtet. Nur wenige bekannte Dokumente, die auf Amate geschrieben wurden, können auf das 16. Jahrhundert datiert werden. Sie umfassen Bücher, die ziehharmonikaartig gefaltet sind, genähte Codices aber hauptsächlich "Mappas". Diese Mappas beinhalten mehrere Papierbögen von rund zwanzig Zentimetern auf vierzig Zentimetern, die zusammengeklebt wurden und die Ereignisse wiedergeben, die sich vor und nach der spanischen Eroberung in der Region von Tlapa abgespielt haben.

Das Geräusch der Handwerker, die die Fasern zu Papier schlagen, ertönt noch weit hinter den Bergen und bis zum Stadtrand der Stadt San Pablito, in der Sierra Norte in Puebla.
Die Farbe des Papiers hängt von der Rinde ab, die zu seiner Herstellung verwendet wird. Die typische kaffeebraune Papierfarbe stammt beispielsweise von der Rinde des Jonote-Baumes (Familie der Ficus), die weiße Farbe von der Rinde des Xalama Limón-Baumes und die silberbeige Farbe von der Rinde des Mora-Baumes (Familie der Maulbeerbäume). Die Handwerker des Otomí-Stamms sind seit jeher in der Herstellung von Papier unterschiedlichen Formats und unterschiedlicher Dicke bewandert und stellen Plakate wie auch Krepppapier her.

Die Tradition des Amate-Papiers hat dank seiner wichtigen Rolle in den religiösen Zeremonien der Otomí überlebt. Die aus dem Papier herausgeschnittenen Figuren symbolisieren "gute" oder "böse" Geister und werden bei Zeremonien für eine gute Maisernte oder zur Heilung von Kranken verwendet. Die Figur auf der rechten Seite trägt den Namen Herr des Berges. Jede Familie muss Amate herstellen können, das einem Schamanen übergeben wird, der entsprechend der benötigten Zeremonie, die entsprechende Figur aus dem Papier ausschneidet.

Die Handwerker von San Pablito fertigen unter Zugrundelegung dieser Figuren komplexe Kunstwerke an, in denen überwiegend die Darstellung des Sonnengestirns im Mittelpunkt steht. Diese Werke werden aus einem dünnen und dunklen Papier hergestellt, das anschließend in ein noch feuchtes, weißes Amate-Blatt eingestampft wird. Der Künstler braucht keine aufgemalte Vorlage für seine Arbeit, sondern schneidet das Motiv seiner kreativen Vision und seinen Erinnerungen gemäß aus. Diese Kunst trägt den Namen "Amate Picado". Hierunter ein einfaches Motiv, das den Geist einer Ananas darstellt.